Tag: Leistungsschutzrecht

Leistungsschutzrecht

Posted by – 30. August 2012

Die Verlage haben sich durchgesetzt. Die Bundesregierung hat heute im Kabinett das Leistungsschutzrecht beschlossen. Damit es noch nicht in Kraft, ich zweifle aber nicht daran, dass es durch den Bundestag kommt.

In der Sache sollen Suchdienste wie Google News oder Rivva sollen für die Verwendung von kurzen Zitaten aus den Artikeln auf die sie verweisen zahlen. Natürlich nutzen Google und Rivva den Text des Verlages um ein kommerzielles Produkt zu verkaufen. Der Verlag hat durch den Verweis aber keinen Schaden. Im Gegenteil, der Verlag hat durch den Verweis auf seinen Artikel potentiell mehr Leser auf seiner eigenen Seite. Das Zitat dient dabei als eine  kurze Inhaltsübersicht bzw. Vorschau auf den Artikel.

Ich habe kein Abonnement einer Zeitung. Ich höre täglich die Nachrichten im Deutschlandfunk. Das reicht mir für das aktuelle politische Tagesgeschehen. Für Hintergründe zu einzelnen Themen gibt es – neben den Seiten der verschiedenen öffentlich rechtlichen Sender – zahlreiche Blogs die zu speziellen Themen schneller und detaillierter berichten. Als Beispiel für das Thema Bundeswehr und die zahlreichen Auslandseinsätze sei hier nur auf Augen geradeaus und Bendler-Blog verwiesen.

Wenn ich über ein Thema aktuell mehr wissen möchte nutze ich einen der Suchdienste. Aus den zum Thema gefundenen Artikeln lesen ich aber fast immer mehr als einen. Insbesondere bei kontroversen Themen habe ich so meist mehr als eine Meinung (oder mehrfach die Agenturmeldung, mit einer EIGENLeistung der Redaktion gegen null). D. h. durch die Suchdienste „konsumiere“ ich mehr Presse-Erzeugnisse. Ich würde mir die unterschiedlichen Meinungen und Blickwinkel nicht von Hand zusammensuchen, dafür hätte ich auch gar keine Zeit.

Bei netzpolitik.org gibt es eine Übersicht mit Kommentaren zum Kabinettsbeschluss. Der BITKOM erklärt z.B.

Die Bundesregierung will das Gesetz gegen die grundsätzliche Kritik von Unternehmen, Bloggern und Internetexperten durchsetzen. Sie plant damit einen weltweit einmaligen Alleingang, der an internationale Gründer und Investoren ein ungutes Signal aussendet: Innovative Online-Dienste sind in Deutschland nicht erwünscht! Junge Web-Unternehmen werden so von Deutschland abgeschreckt.

So innovativ ist die Idee von Google News und Co aber eigentlich nicht. Es gibt schon länger Kaffeehäuser in denen das kommerzielle Angebot der Bewirtung mit Kaffee und Kuchen durch das Auslegen von Zeitschriften verbessert wird. Natürlich wurden diese Zeitungen gekauft. Aber es wird natürlich nur ein oder zwei Exemplare einer Ausgabe einer bestimmten Zeitung gekauft. Gelesen werden diese wenigen Exemplare dann von viel mehr Lesern im Kaffeehaus.

Den Verlagen entsteht trotzdem kein Schaden. Warum? Weil sich die Preise für die Werbung in einer Zeitung aus der Reichweite ergibt, d.h. der Zahl der Leser, und damit nicht nur aus der Zahl der verkauften Zeitungen. Diese Reichweite wollen die Verlage online augenscheinlich nicht haben. Komisch.