Tag: Gesellschaft

Grober Yrrsinn, #2

Posted by – 7. August 2009

Jeden Tag, wenn ich in unseren Arbeitsraum an der Uni komme, schließe ich mein Notebook an die Steckdose an. Beim Betrieb an der Steckdose, wird der Akku im Notebook geladen. Da ich normalerweise länger, als die 3 Stunden die mein Notebookakku im Normalbetrieb hält, an der Uni bin, bleibt mir gar nichts anderes übrig. Meistens lade ich dann auch mein Handy über den USB Anschluss auf. Jetzt bin ich noch Student, und die Uni stellt den Strom für die Arbeit zur Verfügung. Der Betrieb des Notebooks ist damit auf jeden Fall in Ordnung. Da man sich im Studium mit anderen Studierenden koordinieren muss, fällt das Kommunikationsmedium Mobiltelefon auch irgendwie in den Bereich ’studienrelevant‘. Abgesehen davon bezahle ich für mein Studium Gebühren, da sollte der Strom inklusive sein…

Wie sieht es jetzt aber mit Mitarbeitern an der Uni aus? Die handhaben dies genauso. Dabei gibt es in jedem Büro ein Telefon und der Arbeitgeber stellt überall PCs zur Verfügung. Mir ist aber noch nie zu Ohren gekommen, dass so eine Nutzung des Stromnetzes Stein des Anstoßes war.

In der Wirtschaft ist aber bekanntlich alles anders. Jetzt wurde ein langjähriger Mitarbeiter fristlos entlassen, weil er sein Handy in der Firma aufgeladen hat. Der Schaden beläuft sich auf 0,014 Cent. Der Mitarbeiter hat damit, nach Ansicht des Arbeitgebers, den Tatbestand des Stromdiebstahls erfüllt. Damit sei das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht mehr erfüllt und der Mitarbeiter fristlos zu entlassen.

Diebstahl ist natürlich nicht zu tolerieren, sollte dies einer gewesen sein. In der Firma werden sicher privat Radiogeräte betrieben und auch von anderen Mitarbeitern Handys aufgeladen. Hier stellt sich doch eher die Frage der Verhältnismäßigkeit. Der Schaden ist lächerlich klein. Die negative mediale Aufmerksamkeit für den Arbeitgeber aber gewaltig. Wohl auch aufgrund dieser Aufmerksamkeit (Beitrag im WDR , Der Westen) hat der Arbeitgeber seine fristlose Entlassung wieder zurückgenommen (inside-handy , Der Westen).

Die Geschichte wird dem Arbeitgeber wohl noch eine ganze Zeit lang verfolgen, wenn ich mir diese Suchergebnisse so ansehe.

Grober Yrrsinn, #1

Posted by – 24. Juni 2009

Ich habe mir jetzt mal vorgenommen eine kleine Serie zu starten. Inhalt sind Nachrichten die ich im Internet aufgeschnappt habe. Das ganze hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Tiefgang. Es sind nur Geschichten, bei denen ich lachen, weinen oder mich wundern musste.

Den Anfang macht die Geschichte von zwei Kindern die Atomkraftwerk gespielt haben. In Oelde haben zwei Kinder auf dem Gehweg mit alten Gehäuseteilen von einem Computer gespielt. Genauer war das Gehäuse oder die Teile eines Gehäuses, in der Phantasie der Kinder, wohl ein Atomkraftwerk, und um es realistischer aussehen zu lassen haben die Beiden ein Warnschild für Radioaktivität aus dem Internet ausgedruckt und auf das Gehäuse geklebt.

Die Beiden haben ihr Werk wohl einige Zeit alleine gelassen, um nach hause zu gehen. Als sie später zurückkehren wollten, sind sie nur bis zu einer Absperrung der Polizei gekommen und wurden weggeschickt. Zwischenzeitlich hatte ein Passant das ‚Atomkraftwerk‘ entdeckt und Polizei und Feuerwehr alarmiert. Diese riegelte die vermeintliche radioaktive Bedrohung weiträumig ab. Es wurde auch eine Warnung über das Radio verbreitet.

Mich fasziniert vor allem die Eigendynamik dieser Geschichte. Diese Kinder haben da vermutlich eine Grafik mit einem Tintenstrahldrucker auf Papier ausgedruckt, ausgeschnitten und an ein altes Computergehäuse geklebt. Ich bezweifle, dass die Kinder da mehr Aufwand betrieben haben. Dieser Passant und die Polizisten und Feuerwehrleute haben alle zwar dieses Symbol für Radioaktivität erkannt, nicht aber realisiert das ein altes Computergehäuse vor ihnen steht.

Wir wissen natürlich nicht was für ein altes Computergehäuse es nun genau war. Ich wage aber zu behaupten: Computer sind in unserer Gesellschaft so alltäglich geworden, man erkennt einen Computer als solchen, wenn man ihn sieht. Warum konnte dieser Einsatz so aus dem Ruder laufen? Es muss dort doch jemanden gegeben haben der das Gerät als alten Computer erkannt und Zweifel an dem aufgeklebten Papierschild geäußert hat.

Gefunden: Spiegel Online