Grober Yrrsinn, #3

Posted by – 9. August 2010

Aufzüge gehören zu unserem Alltag. Das hört sich banal an und ist es auch. Wir gehen davon aus, dass wenn wir einen Knopf drücken, kommt die Kabine und fährt uns in ein anderes Stockwerk. Dahinter steckt natürlich Technik über die wir im Alltag nie nachdenken. So soll der Aufzug sanft anfahren und abbremsen. Halten soll die Kabine dann ebenerdig mit dem Fußboden im Stockwerk, sodass man ohne Stufe aus dem Aufzug treten kann oder z.B. einen Bürowagen mit Akten hineinschieben kann. Aufzüge sind also ausgereift und man vermutet keine neuen und spannenden Entwicklungen in diesem Bereich. Ich hätte zwar gerne die Möglichkeit im Aufzug ein Fahrtziel wieder abzuwählen, z. B. durch nochmaliges betätigen der entsprechenden Taste, um eine Fehleingabe zu korrigieren. Wird es aber vermutlich nie geben. (Die Idee muss doch schon vor mit jemand gehabt haben?!)

Vor einigen Jahren musste ich auf Krücken für eine Untersuchung zu einem anderen Arzt, da mein Hausarzt im Urlaub war. Die Praxis des Arztes war im 1. oder 2. Stock. Normalerweise würde ich in einem solchen Fall die Treppe nehmen, aber ich hatte ein gebrochenes Bein und ging an Krücken. Ich habe also den Aufzug genommen. Ich hatte mich aber nach dem Einsteigen in die Kabine und drücken des Knopfes nicht sofort umgedreht. Weil ich das Gleichgewicht nicht verlieren wollte, habe ich das erst gemacht als der Aufzug gehalten hat. Jetzt war ich aber nicht schnell genug aus dem Aufzug heraus. Die Tür begann sich zu schließen und fing meine Krücke ein, als ich durch sie ging. Ich stand also vor dem Aufzug und eine meiner Krücken war in der Tür eingeklemmt. Erst nach mehrmaligen Betätigen öffnete der Fahrstuhl die Tür und gab meine Krücke frei. Im Wartezimmer hatte ich dann Gelegenheit länger über die Geschichte nachzudenken. Nicht nur hatte die Lichtschranke mich nicht bemerkt, auch die Tür hatte nicht richtig schließen können und sich trotzdem nicht sofort wieder geöffnet. Ich habe mich damals gefragt wie oft es mit dem Aufzug, den vornehmlich ältere und gebrechliche Patienten benutzen, Probleme gibt. Diese Anekdote ist mir wieder eingefallen, als ich den Artikel Automatische Drängelfunktion in Jules Blog gelesen habe.

Die Frage was es denn so an Innovationen im Bereich des Aufzug-Baus gibt dürfte damit beantwortet sein. Der Durchsatz an Personen wird erhöht, wenn man bei unterbrochener Lichtschranke die Tür langsam schließt. Sollte dies nicht klappen, öffnet man die Türen und schaltet den Aufzug ab. Warum ein Aufzug der die Sicherheitseinrichtung Lichtschranke abschaltet bzw ignoriert eine Betriebserlaubnis hat ist mir hier aber eigentlich egal. Ich möchte ein anderes meiner Meinung nach grundlegenderes Problem aufzeigen.

Die Drängelfunktion ist eine Heuristik. Wenn ich die Tür nicht schließen kann, ist der Aufzug überfüllt. Dann schiebe ich die Tür langsam zu. Der Mensch in der Tür ist dann entweder draußen oder drinnen. Reisende am Bahnhof die mehrere Gepäckstücke aus dem Aufzug räumen wollen eine andere Heuristik. Diese Menschen blockieren meist die Lichtschranke mit einer Tasche, damit ihnen der Aufzug nicht mit einem Teil des Gepäcks wegfährt.

Der eigentliche Fehler liegt darin, dass man mit einer solchen Funktion dem Menschen vorschreibt wie er ein Hilfsmittel zu benutzen hat. Der Aufzug ist eine Maschine die den Menschen unterstützen soll. Wenn man der Maschine jetzt eingibt den Menschen zu drängeln, geht dies schief sobald der Mensch die Maschine etwas anders benutzen möchte als sich der Hersteller das überlegt hat. In der Praxis kann dann auch mal eine Krücke oder ein Rollstuhl in der Tür eingeklemmt sein. Ein solcher Aufzug ist aber kein Hilfsmittel mehr.

Besuch im SHC

Posted by – 13. Juli 2010

Anfang Juli war das gemeinsame Sommerfest der Fachschaften Mathematik und Informatik. Im Rahmen dieses Sommerfests hat die gemeinsame Bibliothek des Fachbereichs einen Tag der Offenen Tür veranstaltet. Die ersten Teile des Angebots im Rahmen dieser Veranstaltung habe ich links liegen gelassen und bin lieber auf das Fest feiern gegangen. Da ich die letzten Monate fast jeden Tag in der Bibliothek gesessen habe, um meine Arbeit zu schreiben, war eine Führung durch den öffentlichen Bereich und die Vorstellung des Angebots an ebooks recht uninteressant für mich. Wirklich interessant war, nicht nur für mich, die Führung durch den nicht öffentlichen Teil der Bibliothek.

Die Betonröhre 2Eine der Besonderheiten der Bibliothek ist die Klima-Steuerung. Das Gebäude hat keine Klimaanlage im klassischen Sinn. Rund um das Gebäude ist eine Röhre aus Beton im Boden vergraben. In diese Röhre, mit 2m Durchmesser, wird frische Luft von außen angesaugt. Ein paar Meter unter der Oberfläche ist das Erdreich konstant kühler als an der Oberfläche, wo z.B. die Sonne den Boden aufheizt. Wenn ich mich richtig erinnere, so um die 18 Grad Celsius. Innerhalb der Röhre kühlt die Luft ab. Das Kondenswasser wird dabei durch ein leichtes Gefälle der Röhre gesammelt und abgeleitet. Die gekühlte Luft wird dann noch gefiltert und ein Teil als Frischluft ins Gebäude geleitet. Mit dem anderen Teil wird eine Kühlflüssigkeit, laut Führung im wesentlichen Wasser, gekühlt. Diese Flüssigkeit zirkuliert in einen Schlauchsystem in den Betondecken des Gebäudes. Dort entzieht sie der Betondecke die Wärme. Die Warme Luft im Gebäude steigt nach oben und wärmt die Betondecke auf. Man kann sich das Funktionsprinzip auch wie einen großen Kühlschrank vorstellen. Nur mit dem Unterschied das man eine Raumtemperatur von ungefähr 22 Grad Celsius erreichen möchte.

Die Leistungsfähigkeit dieses Betonringes hat mich besonders überrascht. Die Hauptaufgabe ist die Versorgung mit kühler Frischluft für das neue Hörsaalgebäude. Die oben beschriebene Kühlung und Luftversorgung für die Bibliothek ist eine Aufgabe mit niedrigerer Priorität. Es gibt eine kleinere Röhre, die nicht verschließbar und damit abschaltbar ist, welche den Hörsaal versorgt. Die Abzweigung für die Bibliothek ist eine verschließbare Klappe. An dem Tag der Führung war es 30 Grad heiß. In der Betonröhre waren es angenehme 18 Grad. Der Energieverbrauch der Anlage beschränkt sich im wesentlichen auf die Pumpen. Die Mehrkosten für die Anlage, insbesondere den Betonring, wird man voraussichtlich in den nächsten paar Jahren bereits wieder eingespart haben.

Es wird aber trotzdem bei den Gerüchten bleiben, die bereits in der Bauzeit entstanden sind. Mein persönlicher Favorit ist dabei die Bezeichnung Saarland Hadron Collider SHC. Leider habe ich keine Bilder in der Bauphase gemacht. Im Album finden sich noch ein paar verwackelte Bilder meiner Handykamera. Kai hat die Bauphase in seinem Blog dokumentiert, leider ohne ein Bild der Röhre.

Master Thesis

Posted by – 10. Juni 2010

Ich habe heute meine Master Arbeit abgegeben:

Combined Link Adaptation and Admission Control for More Reliable Groupcast according to 802.11aa

Master Thesis

Ich muss die Arbeit noch in einem Kolloquium vorstellen. Vermutlich in ein paar Wochen.

Der Campus in Bildern

Posted by – 11. Oktober 2009

Daily Arvel Kai hat in seinem Blog wieder eine schöne Serie von Bildern vom Campus der Universität des Saarlandes geposted. Zum Teil sind sie schon älter, sie zeigen aber schön den Fortschritt auf dem Campus.

Thawte stellt kostenlose E-Mail Zertifikate ein

Posted by – 5. Oktober 2009

Im ubuntu-blog.at habe ich hab ich einen Artikel über Thawte entdeckt:

Thawte ist ein Certificate Authority, d.h. die Firma stellt kryptographische Zertifikate aus. Damit kann man unter anderem E-Mail digital unterschreiben. Thawte hat die Zertifikate speziell für E-Mails bisher kostenlos ausgestellt. Dieser Dienst wird am 16. November 2009 eingestellt, d.h. ab dann sind die Zertifikate unbrauchbar. Als Ersatz kann man ein Zertifikat der CA VeriSign bekommen, dieses ist dann ein Jar lang gültig.

Neben Thawte stellt natürlich auch  CAcert kostenlose Zertifikate aus. CAcert, im Gegensatz zu Thawte oder VeriSign, keine Firma sondern ein Verein. CAcert hat leider den Nachteil, nicht in den Browsern und E-Mail Programmen vorinstalliert zu sein.

Wenn Thawte jetzt die kostenlosen E-Mail Zertifikate auslaufen lässt, werde ich mir auf jeden Fall ein kostenloses VeriSign Zertifikat ausstellen lassen. Hoffentlich ist CAcert in einem Jahr, wenn das Zertifikat von VeriSign dann ausläuft, in den Programmen als CA vorinstalliert.

Jetzt noch schnell bei Thawte einzusteigen, um sich ein kostenloses VeriSign Zertifikat zu sichern, scheint nicht zu gehen. Zumindest werden neue Anmeldungen laut FAQ nicht mehr bearbeitet.

Webchat mit LaTeX Unterstützung

Posted by – 5. Oktober 2009

Wer kennt es nicht, da will man sich mit einem Kollegen über die Aufgaben zur Vorlesung unterhalten, und alles was man hat ist ein Chat oder Instant Messenger. Wie bei jeder guten Vorlesung, muss man sich natürlich irgendwann über Mathe unterhalten. Man kommt also an einen Punkt an dem man eine Gleichung hinschreiben möchte, und es nicht kann. Genauer: man kann schon, aber der Mensch gegenüber kann kein, oder wenig LaTeX und kommt mit der Textdarstellung nicht klar.

MathIM setzt genau da an. Es ist ein Webchat mit LaTeX Unterstützung. Man kann ohne Anmeldung einen Chatraum eröffnen. Andere Leute lädt man durch das versenden der URL ein, dazu sind herkömmliche Chats gut genug.

Eine Formel kann man jetzt ganz einfach setzen, indem man zwischen zwei $ die normal LaTeX Syntax benutzt. Also genauso wie man es auch in einem Dokument tun würde. Wenn man keine $ eingibt, wird die LaTeX Syntax angezeigt. Damit kann man den Chat auch zur Diskussion über LaTeX Syntax benutzen, z.B. wenn man einen LaTeX Kurs nacharbeiten möchte.

Wenn man nicht weiß wie die Syntax für ein bestimmtes Symbol lautet, kann man ja die Zeichenerkennung benutzen.

Was mit 10 Millionen Dollar machen?

Posted by – 2. Oktober 2009

Man kann von der Firma halten was man will, die Aktion ist ok. Google drückt Geld ab, für Projekte, die so vielen Menschen wie möglich helfen und dadurch die Welt positiv verändern.

Abstimmen, welche Projekte gefördert werden, kann man noch bis zum 8. Oktober. Weitere Informationen findet man auf der Homepage des Projekts. Dort kann man auch abstimmen.

Wahlgeheimnis 2.0

Posted by – 28. September 2009

Kim fragt sich was aus dem Wahlgeheimnis geworden ist. In jedem Blog, auf Facebook oder via twitter haben die Wähler ihre Wahlabsichten kundgetan. Eine moderne Unsitte ist das Fotografieren von Simmzetteln in der Kabine. Im Moment noch nicht ausgefüllte Stimmzettel.

Ich finde das ist eher ein Zeichen dafür wie frei sich die Leute fühlen. Hat sichgerade vor der Wahl eine breite Front gegen die Vorratsdatenspeicherung und für mehr Datenschutz gebildet. Wie sich dies mit dem vorauseilendem Gehorsam verträgt seine Wahlentscheidung öffentlich zu machen, verstehe ich auch nicht. Halte es im Moment aber für in Ordnung. Wir haben ein Recht auf eine geheime Wahl, keine Pflicht.

Wenn jeder nach der Wahl erzählt er habe auch für die neue Regierung gestimmt, und es normal wird seinen ausgefüllten Stimmzettel zu fotografieren, dann haben wir ein Problem.

Meine Erfahrung als Wahlhelfer ist: Es bringt mehr den Leuten zu sagen sie sollen den Zettel mehrfach falten, damit er besser in die Urne passt, als etwas über Wahlgeheimnis zu sagen.

Bundestagswahl 2009

Posted by – 28. September 2009

Gestern war Bundestagswahl, und ich war Wahlhelfer in Saarbrücken. Wahlhelfer wird man ganz einfach. Ich hab einfach eine E-Mail an das Wahlamt geschickt. Später bekommt man dann Post, wann und wo man eingesetzt wird.

Im Wahllokal gibt man dann Stimmzettel aus und passt auf die Urne auf. Passiert ist nicht viel. Eine Frau hat ihren Geldbeutel in der Wahlkabine vergessen. Nett war die Mutter, die ihr Kind auf dem Schoß hatte, als sie gewählt hat. “Nein! Du darfst auf dem Stimmzettel nicht malen, sonst wird er ungültig.” Meist hat man aber nichts zu tun. Dann kann man bei Twitter die Updates zum Thema Bundestagswahl verfolgen, oder aus dem Fenster schauen und sich über das schöne Wetter freuen.

Vor der Bundestagswahl, gab es bereits die Sorge Exit-Polls könnten öffentlich werden. Dann sind ca 2 Stunden vor dem Schließen der Wahllokale tweets aufgetaucht, die das Wahlergebnis schon vorweg nahmen:

@zdf #exitpoll #btw09 #CDU/CSU: 32.4, #SPD: 26.2, #FDP: 13.9, #LINKE: 11.2, #GRUENE: 10.0

http://twitter.com/ronjafischer_5/statuses/4418355218

Spät am Abend, gegen 23:15h kam dann noch ein Erklärung:

Die Erklärung zur Exit-Poll Fälschung http://bit.ly/oFMDk #btw09 #btw

http://twitter.com/ronjafischer_5/status/4426215584

Ein Gruppe, die sich discordische mediengruppe 09 nennt, hat bewusst frei erfundene Wahlergebnisse publiziert. Ziel der Aktion war es wohl, sich und anderen Exit-Polls zu widersprechen, und eine Diskussion über den Wert von Exit-Polls anzuregen. Den Link zu ihrer Erklärung findet sich im zitierten Tweet.

Die Wahlleitung in Bremen hat so etwas ähnliches gemacht. Dort wurden fiktive Test-Wahlergebnisse veröffentlicht. Vermutlich um die Technik zu testen. Warum man dafür keine Test-Technik benutzt weiß ich aber auch nicht.

Gewonnen haben die Wahl übrigens die CDU und FDP, bei der niedrigsten Wahlbeteiligung seit es die Bundesrepublik Deutschland gibt: 72,2 Prozent.

Ob ich mich noch einmal freiwillig als Wahlhelfer melde? Ich glaube eher nicht.

Die Frau hat ihren Geldbeutel übrigens wieder abgeholt.

[Update 28. Sep. 16:47 Bildblog für alle beschäftigt sich auch mit dem Phänomen]

Wie funktioniert die Bundestagswahl?

Posted by – 20. September 2009

Schon vor ein paar Tagen hat netzpolitik auf die Videos der Bundeszentrale für politische Bildung hingewiesen. In drei kurzen Filmen bekommt man Überhangmandat, Erst- und Zweitstimme und die 5% Hürde erklärt.

Da ich am 27. September wieder Wahlhelfer bin, und in Gesprächen immer wieder auf viel Unwissenheit zum Thema Wahlrecht treffe, gibt es hier die Filme noch mal:

Die  Bundeszentrale für politische Bildung lizenziert die Filme übrigens unter der Creative Commons-Lizenz by-nc-nd/3.0/de. Ds heißt man darf die Filme vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen. Solange man den Autor nennt, die Filme nicht verändert und kein Geld damit verdienen möchte.