Mit Twitter die Bundestagswahl manipulieren

Posted by – 28. Juni 2009

Natürlich kann man mit Twitter die Bundestagswahl nicht manipulieren, aber die drei Schlüsselwörter Twitter, Bundestagswahl und manipulieren sollten für Aufmerksamkeit sorgen. Wie diese Dinge jetzt zusammenhängen? Ganz einfach: eigentlich gar nicht, aber im Sommerloch zwischen zwei Wahlkämpfen kann man ja mal. Ein Problem gib es aber tatsächlich, dazu aber gleich mehr.

Bei der letzten Wahl zum Bundespräsidenten, wurde das Ergebnis vor der amtlichen Veröffentlichung bereits über Twitter im Internet verbreitet. Die Geschichte wurde kurz als Affäre durch die Medien geschoben, passiert ist allerdings nicht viel. Das Ergebnis war wohl schon viel mehr Personen bekannt und wurde fleißig per SMS verbreitet. SMS ist aber jetzt schon zu weit verbreitet und bekannt, damit kann man keine Schlagzeile mehr machen. Zum Glück haben einige Abgeordnete nicht nur eine SMS geschrieben sondern gleich noch eine Kurznachricht über Twitter. Damit konnten sich die Leute die es angeht, also z.B. die Bürger dieses Landes, frühzeitig(er) informieren wer denn nun Staatsoberhaupt ist.

Wichtig ist an der Geschichte eigentlich nur ein Detail. Die Ergebnisse sind erst öffentlich geworden, als der Wahlgang bereits geschlossen war.

Jetzt bin ich bei Heise und im BasicThinkingBlog über die Meldung gestolpert, der Bundeswahlleiter und Abgeordnete von SPD und Union befürchten, die Bundestagswahl könnte durch Kurznachrichten im Online-Dienst Twitter unzulässig beeinflusst werden.

Bei der Bundestagswahl finden Exit-Polls statt. Ein Exit-Poll ist eine Umfrage, unter einem Teil der Wähler. Dabei sollen sie noch einmal genau so abstimmen wie sie in der Wahlkabine abgestimmt haben. Diese Umfragen bilden die Grundlage um bereits um 18h, wenn die Wahllokale gerade geschlossen haben und noch keine Auszählung stattgefunden hat, eine erste Hochrechnung des Wahlergebnis präsentieren zu können. Damit sind sie zum Erhalt der Demokratie nicht unbedingt notwendig, bescheren den Medien aber Umsätze in Form von Einschaltquote und PageImpessions.

Es scheint wohl üblich zu sein den Spitzen der großen Parteien diese Hochrechnungen schon vor 18h zukommen zu lassen. Damit können diese sich dann entsprechend vorbereiten und ihre Reden schreiben lassen. Jetzt ist die Sorge laut geworden, diese Informationen könnten über Twitter die Öffentlichkeit erreichen.

Wenn ein vorläufiges Wahlergebnis bekannt würde, bevor die Wahl offiziell beendet ist, könnten Anhänger und Mitglieder einer Partei diese Information gezielt nutzen um Wähler für sich zu motivieren. Dann stellt sich die Frage ob die Wähler ohne dieses vorläufige Wahlergebnis überhaupt zur Wahl gegangen währen, oder ob man als Wähler besser früh wählen geht um einen Trend zu setzen oder spät um evtl noch das Ergebnis zu kippen. Man könnte auch, falls man in einem Exit-Poll befragt wird, bewusst etwas anderes Wählen, um einen Einfluss auf die Wahl auszuüben. Damit könnte die Gleichheit der Wahl in Gefahr sein, wenn man mit seiner Stimmabgabe Einfluss auf andere Wähler nehmen kann.

Man kann über Exit-Polls denken was man möchte. Sie sind ein Teil des Problems. Ein anderer Teil des Problems sind die Parteien bzw der Umstand dass Parteien aus Menschen bestehen. Diese Menschen sind (am Wahltag) bis oben hin mit Adrenalin vollgepumt und wollen gewinnen. Twitter ist nur ein neues Medium, welches  man dafür missgebrauchen kann, nicht aber Teil des ursprünglichen Problems.

Als Wahlhelfer werde ich übrigens gar nichts über das Ergebnis twittern, erstens weil ich nicht darf und zweitens weil ich erst nach dem Auszählen aus dem Wahllokal komme und Zeit habe mich für das Gesamtergebnis zu interessieren.

1 Comment on Mit Twitter die Bundestagswahl manipulieren

  1. […] der Bundestagswahl, gab es bereits die Sorge Exit-Polls könnten öffentlich werden. Dann sind ca 2 Stunden vor dem Schließen der Wahllokale tweets aufgetaucht, die das Wahlergebnis […]

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